Teilen, was bedeutet das?


Gerade heute, am kürzesten Tag des Jahres, an dem Tag, an dem das Licht erloschen ist um am 24.12. zurückzukehren, ist eine sehr gute Gelegenheit, Rückschau zu halten. Was habe ich erreicht in diesem Jahr, wo habe ich Potential und mit wem habe ich mein Leben geteilt. In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, woher das Wort "teilen" stammt und wie wir dieses Wort im Alltag anwenden.



Das Wort Teilen hat verschiedene Bedeutungen:

  1. Etwas in Teile zerlegen, zerteilen, zergliedern, dividieren

  2. Etwas in Stücke schneiden, aufteilen, auseinandernehmen, parzellieren, tranchieren, sezieren, spalten, durchschneiden, halbieren

  3. Etwas abgeben, abtreten, geben


In der Mathematik spricht man von "dividieren." Dividieren stammt vom lateinischen Wort dividere = trennen, schneiden ab. Di- bedeutet "auseinander" und videre geht auf die indogermanische Wurzel "uidh" = trennen" zurück.


Teilen beinhaltet das Wort "Teil. "Teil" lässt sich auf das gotische "dails" und das Altenglische "dl" zurückführen. Dl wurde in der neueren Zeit abgwandelt zu "deal".


Teilen hat also etwas mit sich spalten, sich trennen, sich verzweigen, sich gabeln zu tun. Aber auch mit handeln (to deal) und austeilen.



Reflektiere:

  • Wo in deinem Leben hat sich dieses Jahr etwas gespalten, verzweigt oder getrennt?

  • Wo im deinem Leben hast du gehandelt oder eben nicht gehandelt?

  • Wo hast du ausgeteilt im Sinne von verteilen?

  • Wo hast du ausgeteilt im Sinne von ver-ur-teilen?



Was meint Teilen im herkömmlichen Sinn?

Teilen beschreibt, im Sinne von Werten und Tugenden, das Weiter- oder Abgeben eines Besitzes oder Eigentums an andere, und den daraus resultierenden gemeinsame Nutzen. Hierbei kann es sich um materielle Güter handeln, die durch das Teilen in der Regel nicht vervielfacht werden können.


Anders ist dies bei imaginären und immateriellen Gütern, wie zum Beispiel dem Wissen oder gemeinsamen Aktionen und Erlebnissen. Die resultierenden „Werte“ können hier vervielfacht werden. Folglich hat jeder die Möglichkeit, das imaginäre Gut zu gleichen oder gar grösseren Teilen an sich zu nehmen, und nicht nur einen kleinen Teil davon.


Nicht selten kann man auch teilen, um einen eigenen Nutzen daraus ziehen zu können. Nehmen wir hier zwei Geschäftspartner als Beispiel: Diese teilen sich die Arbeit beim Anstreben eines gemeinsamen Zieles, weil sie ohne die Hilfe des jeweils anderen das Ziel nicht erreichen würden. Nach erfolgreicher Zielerreichung wird wieder geteilt. Die dann aufzuteilenden Erträge sind wesentlich höher, als sie es ohne eine derartige Kooperation wären.


Eine Person, die uneigennützig zum Teilen bereit ist, gilt allgemein als grosszügig. Teilen gilt in vielen Kulturkreisen als besondere barmherzige Tugend. Personen aus der Geschichte und Mythologie werden heute dafür als Vorbild verehrt – so zum Beispiel der römische Soldat „Martin von Tours“, der seinen Mantel-Umhang mit seinem Schwert „geteilt“ hat, um eine Hälfte einem frierenden armen Mann zu schenken. Martin von Tours (316 bis 397) ist heute besser bekannt als der „Heilige Sankt Martin“, welchen wir in unserer Kultur an seinem Todestag am 11.11. ehren.



Reflektiere:

  • Wie barmherzig warst du zu dir selber in diesem Jahr?

  • Wo hast du dein Wissen geteilt?

  • Wo hast du zum Wachstum anderer Menschen beigetragen?

  • Wo warst du Teil einer Gruppe von Menschen mit denen du geteilt hast? Und was hat dir das gebracht?

  • Wo hast du durch Teilen einen Gewinn erzielt?



Teilen ist etwas archaisches, sehr menschliches

Alle unsere Zellen im Körper teilen sich fortlaufend, pausenlos. Zellteilung führt demnach zu Wachstum. In der Regel entstehen aus einer Zelle zwei neue Tochterzellen. Dieses Wachstum ist also nur möglich, weil laufend auch Zellen absterben und so Platz machen für Erweiterung und für neues Leben. Dieser Vorgang dauert das ganze Leben von der Zeugung mit der ersten Zellteilung bis zum Tod mit dem letzten Atemzug.



Reflektiere:

  • Wo ist etwas in deinem Leben gestorben?

  • Was ist an dieser Stelle neues gewachsen?

  • Hast du dem Neuen auch den Platz gegeben den es verdient?

  • Was hast du getan, um das Neue zu nähren und zu pflegen?



Teilen und mitteilen

In der deutschen Sprache kennen wir das Wort "teilen" und das Wort "mitteilen". Das eine meint etwas von sich persönlich kundtun, das andere hat die Bedeutung wie oben erläutert. Andere Sprachen wie das Englische kennt diese Unterscheidung nicht. "I have to share something" kann sowohl eine persönliche Mitteilung sein, als auch zum Beispiel das Teilen meines Autos mit einer Gruppe von Menschen (Car Sharing).



Eine neue Generation

Apropos Sharing: Es wächst eine junge Generation heran, die grundsätzlich andere Werte verfolgt. Sehr schön ist dies anhand dieses Beitrags zu sehen, wo gerade eine Community entsteht, welche alles teilt. Schau selbst:

Anders leben - Zukunft in der Land-WG



Das Wort Teilen wird im Alltag oft angewendet. Achte dich in nächster Zeit, in welchem Zusammenhang du das Wort verwendest. Wenn du Lust hast, ergänze diese Liste:

Abteilen, aufteilen, austeilen, dreiteilen, einteilen, erteilen, mitteilen, unterteilen, verteilen, vierteilen, zerteilen, zuteilen, zweiteilen

Teilbar, Raumteiler, Teilung, partagieren, urteilen, Spreu vom Weizen teilen, Atom teilen…



Ich wünsche dir viele neue Erkenntnisse und viel Freude beim Teilen in deinem Leben.


„Mit Kummer kann man allein fertig werden, aber um sich aus vollem Herzen freuen zu können, muss man die Freude teilen.“

Mark Twain (1835 bis 191

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